Biographie

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In einem Reitstall aufgewachsen, gehörten Pferde von Anfang an zum Leben von Beat Mändli. In seiner  erfolgreichen, seit 25 Jahren andauernden Springreiter-Karriere, hat er grossartige Pferde geritten und wichtige Siege errungen. Er gewann Medaillen an Championaten, bei Olympia und durfte sich 2007 als Weltcup-Sieger feiern lassen. Seit Anfang 2009 reitet der feinfühlige Weltklassereiter nun für den Stall des Thurgauer Unternehmers Paul Bücheler.

Pferde gehören zum Leben von Beat Mändli seit er denken kann. Am 1. Oktober 1969 wird er als jüngstes der fünf Kinder von Heidi und Albert Mändli sen. geboren. Seine Eltern betreiben im schaffhausischen Nohl, unmittelbar an der deutschen Grenze, einen Reit- und Handelsstall mit rund 50 Pferden. Sein Vater war einer der ersten Schweizer, die damals in das norddeutsche Pferdezuchtgebiet Holstein fuhren, um junge Pferde zu kaufen. Beat ist der Nachzügler der Familie: Marianne, die Zweitjüngste, ist sechs Jahre älter als er. Von seinem ältesten Bruder Markus trennen Beat gar 15 Jahre.

Er hilft im elterlichen Betrieb mithelfen, wie seine Geschwister, die alle reiten. Doch Beat interessiert sich nicht übermässig für Pferde, sondern spielt lieber Fussball. „Ich habe gesehen, wie viel meine Geschwister rund um die Pferde geschuftet haben, das hat mich gar nicht gereizt. Ich war damals eher ein Faulpelz“, bekennt er. Zwei eigene Ponys hatte er trotzdem, auf denen ihm Mutter Heidi Reitstunden erteilte. Als er ungefähr zehn Jahre alt ist, nimmt Beat an einer Springkonkurrenz auf dem Schaffhauser Griesbach teil und gewinnt. Doch als er während der Ehrenrunde vom bockenden Pony fällt und alle über ihn lachen, ist ihm das so peinlich, dass er eineinhalb Jahre lang nicht mehr auf ein Pony oder Pferd sitzt.

Als er sich dann von seinem Vater Albert überreden lässt, es doch wieder mit dem Reiten zu probieren, geht alles sehr schnell: Mit Lionel, dem Pferd seines Bruders Markus macht Beat im Alter von 12 Jahren die Lizenzprüfung, zwei Jahre später gewinnt er in Würenlos AG auf Advocat sein erstes S-Springen. Im Jahr darauf wird seine noch junge Springreiter-Karriere richtig lanciert, als Markus Mändli in den Stall von Willi Melliger wechselt und seinem kleinen Bruder sämtliche Pferde überlasst, darunter erfahrene Grand-Prix-Pferde. Mit diesen gewinnt der Teenager Springen um Springen, gehört den Schweizer Nachwuchs-Kadern an und ist insgesamt neun Mal ein sicherer Wert an Junioren- und Junge Reiter Europameisterschaften. Er findet Gefallen an dem Sport. „Der Start wurde mir mit diesen Pferden auch leicht gemacht“, sagt Beat, der in der Folge nur noch Reiten will. Seine Eltern bestehen aber auf einer Ausbildung und so absolviert er nebenbei ohne viel Enthusiasmus die Handelsschule in Schaffhausen. Auch das Militär ruft und Beat rückt für drei Monate in die Train-Rekrutenschule in St. Luzisteig ein.

In der Zwischenzeit sind die Pferde, die Markus Mändli seinem Bruder überlassen hat, älter geworden, die Erfolge werden weniger. Beat Mändli merkt, dass er so nicht weiter kommt und entschliesst sich zu einer Veränderung: Er geht für ein Jahr zu Liz und Ted Edgar nach England. Die internationalen Springreiter, bei denen auch der Brite Nick Skelton sein Handwerk gelernt hat, führen in ihrem Stall in Warwickshire ein strenges Regime und den 19-jährigen Beat an einen Wendepunkt in seinem Leben: „Dort habe ich gemerkt, dass man im Springsport hart arbeiten muss und sich nicht auf sein Talent verlassen kann.“ Und noch eine andere Begegnung verändert sein Leben: Bei den Edgars lernt Beat Mändli seine zukünftige Frau, die Britin Amanda Thomas kennen, die einst als Groom das Ausnahmepferd Milton von John Whitakter betreut hatte. Sein erfolgreichstes Pferd zu dieser Zeit ist Galant XVIII CH, das ihm von seinem ersten Sponsor, dem Thurgauer Unternehmer und Pferdesportmäzen Arthur Schmid zur Verfügung gestellt wird. Mit ihm gewinnt Beat seinen ersten Grossen Preis. Nach dem England-Aufenthalt kehrt er zurück in den elterlichen Stall in Nohl, wo er jedoch nur einige Monate lange bleibt: Seine Lehr- und Wanderjahre führen ihn weiter in den Sportstall von Thomas Fuchs im zürcherischen Bietenholz. Dort verbringt Beat ein weiteres Jahr und lernt in dieser Zeit viel vom damaligen Spitzenspringreiter.

Mittlerweile hat sein Bruder Markus „Johnny“ Mändli zusammen mit seiner damaligen Freundin Lesley McNaught einen Stall im thurgauischen Biessenhofen bei Amriswil übernommen. Markus Mändli war selber ein hervorragender Springreiter: In den 70-er und 80-er Jahren ritt er in der nationalen Elite mit, wurde 1965 Schweizer Meister und nahm für die Schweiz mehrmals an Nationenpreisen teil. Nun will Markus Mändli im Sport kürzer treten. Er hat aber immer noch sehr gute Springpferde von loyalen Besitzern in seinem Stall, weshalb er Beat als „Stalljockey“ zu sich holt. Die beiden Brüder sind sich von klein auf nah. Diese enge Verbindung bleibt bis zum viel zu frühen Tod von Markus im September 2005 bestehen: Der ältere Bruder, der auch als Trainer und Ausbilder erfolgreich ist, unterstützt den jüngeren mental und fachlich sehr stark. „Neben meiner Frau Mandy war Markus meine wichtigste Bezugsperson“, sagt Beat. Mit zehn eigenen Boxen macht er sich im Alter von 22 Jahren im Stall von Markus selbständig. Rund neun Jahre lang lebte und arbeitete er in Biessenhofen, unmittelbar neben Nachbarn, die später in seinem Leben noch eine wichtige Rollen spielen werden: Der Generalunternehmer Paul Bücheler und seine Frau Imelda.

Beat Mändli etabliert sich im Laufe dieser Jahre in der internationalen Springreiter-Elite. Es ist sowohl sportlich wie privat eine erfüllte Zeit. 1992 bestreitet er in Falsterbo mit Galant seinen ersten Nationenpreis für die Schweiz. 1995 qualifiziert er sich mit Don Ramiro für das WC-Finale in Göteborg und im Dezember kommt Sohn Thomas zur Welt. Auf den Turnierplätzen rund um den Globus ist Beat erfolgreich mit Pferden wie Don Ramiro, Poor Boy, Litesso oder Joyride.  Als Nachfolger von Galant steht im Stall ein Ausnahmepferd: Der 1987 geborene braune City Banking. Mit dem Belgier stösst Beat Mändli erstmals in die Top Ten der Weltrangliste der Springreiter vor und qualifiziert sich für die Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta. Dort belegen die Beiden den 11. Platz in der Einzelwertung und den 6. Rang in Mannschafts-Wettbewerb. Beim Weltcup-Finale 1997 in Göteborg wird Beat mit City Banking Vierter, kurz darauf erleidet der Braune eine Kolik. Obwohl die Tierärzte alles für City Banking tun, können sie ihn nicht retten: Beat verliert sein Spitzenpferd.

Dass er seine Springsport-Karriere auf diesem Niveau nahtlos fortsetzen kann, dafür sorgt ein anderes Ausnahmepferd: Der dunkelbraune Rheinländer Pozitano (v. Polydor), den Paul Bücheler seinem Nachbarn Beat Mändli Anfang 1997 zur Verfügung stellt. Ein Jahr später gehört das Paar bereits zur Schweizer Mannschaft, die an den Weltmeisterschaften in Rom (ITA) nur knapp eine Medaille verpasst und den 4. Rang belegt. 1998 wird Beat Mändli im Sattel von Litesso zum ersten Mal Schweizer Meister. 1999 gewinnt er mit Pozitano Team-Silber an der EM in Hickstead (GBR). Mändli kehrt in  die Top Ten der Weltrangliste zurück, wo er sich dank Pozitano fast zweieinhalb Jahre lang behauptet.
Im November 1999 erleidet Markus Mändli eine schwere Hirnblutung, deren Folgen ihn stark behindern. Beat kümmert sich neben dem Sport um den Bruder, den Betrieb und übernimmt immer mehr Verantwortung, die stark auf dem 30-jährigen lastet. Er erhält eine verlockende Offerte von Hans Liebherr, dem Vater der jungen Springreiterin Christina Liebherr. Beat Mändli schlägt aus: „Ich konnte und wollte meinen Bruder zu dem Zeitpunkt nicht alleine lassen.“ Trotz der Doppelbelastung reitet er erfolgreich weiter, wird im Frühjahr 2000 Dritter mit Pozitano am Weltcupfinale in Las Vegas und gewinnt bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney (AUS) zusammen mit der Mannschaft die Silbermedaille.

Im Sommer 2001, hat sich die private Situation soweit stabilisiert, dass Beat dem Ruf des Westschweizer Unternehmers Liebherr nach Riaz folgen kann. Er zieht mit seinen Pferden auf La Baumetta, eine der schönsten Reitsportanlagen der Schweiz. Mit diesem Schritt ist auch der Verbleib von Pozitano in der Schweiz gesichert: Hans Liebherr übernimmt den Wallach von Paul Bücheler. In Mändlis Beritt bleibt vorerst noch der Oldenburger Gryfino, mit dem er 2002 das Masters am CSI Zürich gewinnt und den er bei den World Equestrian Games in Jerez reitet. Die geplante Olympia-Teilnahme mit Pozitano in Athen zwei Jahre später scheitert an einer Serie von Verletzungen. Dafür sichert er sich 2004 mit L.B. Oh Harry den zweiten Schweizer Meister Titel.
Während etwas mehr als zwei Jahren steht Beat Mändli im Dienst von Hans Liebherr, dann entscheidet der Industrielle, dass er sich künftig ganz auf die Karriere seiner Tochter Christina konzentrieren will. Man trennt sich im guten Einvernehmen. Beat arbeitet noch ein Jahr lang selbständig auf La Baumetta, bevor er dem Ruf von Rolf Theiler  folgt und in die Deutschschweiz zurückkehrt.

Am 10. Februar 2005 ziehen Beat, Amanda und Thomas Mändli auf dem Anwesen des CSI-Zürich-Mitgründers in Kappel am Albis ein. Die Optimum Finanz AG, ein Konsortium von sieben Personen rund um Rolf Theiler, stellt Mändli sechs Pferde zur Verfügung, darunter die Grand-Prix-Pferde Principal, Indigo IX oder Ideo du Thôt. Voll motiviert steigt Beat Mändli in die Saison 2005 und reiht Erfolg an Erfolg. Im September stirbt sein Bruder Markus, der sich von seinem Schlaganfall nie ganz erholt hat, im Alter von 51 Jahren an einem Herzinfarkt. Ein enormer Verlust für Beat Mändli, für den der ältere Bruder immer eine wichtige Stütze war. „Wir haben bis zu zehn Mal am Tag miteinander telefoniert.“
Im April 2006 wird Beat mit Ideo du Thot Dritter beim Weltcup-Finale in Kuala Lumpur und bei den Weltmeisterschaften in Aachen ist er mit Indigo IX in der Schweizer Equipe, die den 5. Rang belegt. Principal sichert Beat Mändli anlässlich der Schweizer Meisterschaft in Ascona die Silbermedaille hinter Markus Fuchs mit Nirmette.
Am Sonntag, 22. April 2007 ist es jedoch wiederum Ideo du Thôt, der Beat Mändli einen der Höhepunkte seiner Springreiter-Karriere beschert: Den Sieg beim Weltcup-Finale in Las Vegas und damit seinen ersten grossen Einzeltitel. Ein Jahr später in Göteborg belegt das mit Rang 4 erneut ein Spitzenergebnis an einem Weltcup-Finale. Das Ziel von Beat Mändli mit Ideo du Thôt ist klar: Die Olympischen Reiterspiele 2008, die aus Quarantänegründen in Hongkong stattfinden. Doch dann schlägt wieder das Verletzungspech zu: Eine alte Verletzung im Fesselkopf bricht wieder auf und verhindert den Olympia-Start. Zur Unterstützung seiner Team-Kollegen, bei denen Beat Mändli allgemein beliebt ist, reist er trotzdem mit nach Hongkong und übernimmt die Rolle des Coaches.
Trotzdem ist die Enttäuschung gross, auch bei seinem Mäzen Rolf Theiler, die die Olympischen Spiele stets als Fernziel bezeichnet hatte. Theiler zieht Bilanz und entschliesst sich, sein Engagement zu beenden: „Wir trennen uns nicht im Streit, aber ohne neue Investitionen wäre ich für Beat der falsche Besitzer. Er benötigt nun neue, frische Pferde“, sagte Theiler damals.  Beat Mändli steht damit wieder einmal an einem Scheideweg seiner Karriere.

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und einem neuen Zuhause erinnert sich Beat Mändli an seine glücklichen Jahre in Biessenhofen bei Amriswil. Er verabredet sich mit dem Generalunternehmer Paul Bücheler, seinem ehemaligen Nachbarn im Thurgau. Auf der Fahrt dahin überlegt er sich, dass es schön wäre, wenn in seinem alten Stall, den er einst zusammen mit seinem verstorbenen Bruder Markus geführt hatte, noch einige Boxen frei wären. Als er aus dem Auto steigt, sieht er jedoch, dass der Stall und die alte Reithalle bereits zur Hälfte abgerissen sind. Generalunternehmer Paul Bücheler hatte die Nachbarliegenschaft gekauft, um sich dort den neuen Firmen-Hauptsitz und ein Wohnhaus zu bauen. Daneben erstellte Bücheler schon ein paar Jahre zuvor eine grosszügige Anlage mit Halle und modernen Stallungen. Seit längerer Zeit ist Paul Bücheler auf der Suche nach einem internationalen Reiter. Anstatt ein paar leerer Boxen enthält Beat Mändli ein interessantes Stellenangebot. Er sagt zu und übernimmt das Stall-Management in dem Betrieb und damit auch die Verantwortung für sechs Angestellte und zwölf zum grössten Teil jungen Pferde, die er ausbilden und auf Turnieren exklusiv für die Bücheler Unternehmungen vorstellen soll. Sein Arbeitsbeginn erfolgte im Dezember 2008.

Die Familie Mändli kehrt zurück nach Biessenhofen, wo man Beat sowohl auf dem Einwohneramt als auch beim Coiffeur gleich wieder erkennt. Er macht sich mit den jungen Pferden vertraut und an die Aufbauarbeit. Angst davor, den Anschluss an die Spitze zu verlieren hat er nicht. „Wenn ich sehe, dass die Qualität der Pferde stimmt, kann ich warten“, sagt Mändli. Mindestens ein Jahr – so lang will er sich Zeit geben, um im Sport wieder ein Wörtchen mitzureden. Doch es geht alles viel schneller. Bereits im Januar 2009 beim CSI-W Zürich erzielt er mit der 12-jährigen Cassinga einen internationalen Sieg. Im Februar und März zieht er für fünf Wochen zum Training und für eine Formüberprüfung mit 14 Pferden an die Sunshine Tour ins südspanische Vejer de la Frontera. Mit der Fuchsstute Quanta Costa wird er Zweiter im dritten Grossen Preis an der Sunshine Tour. Im April reitet er mit Quanta Costa beim CSI in Hagen den ersten Grand-Prix-Sieg für die Bücheler Unternehmungen ein. Mit Louis, der sich über den Erwartungen entwickelte, dem vielseitigen Queensland und hoffnungsvollen Youngstern wie Bille, Colore, Cordina oder Crösus hat Beat Mändli Pferde zur Verfügung, die für die Zukunft viel versprechen.

Mit seinem Arbeitgeber, der Bücheler Unternehmungen im Rücken, einer optimalen Trainings- und Stall-Infrastruktur in Biessenhofen und einem Dutzend talentierter Pferde ist Stall, ist Beat Mändli hoch motiviert: „Ich bin noch lange nicht müde und möchte gerne noch ein paar Jahre lang an der Spitze mitreiten!“